Sind wir Deutschen zu dick?
Fragt der SPIEGEL besorgt in seinem Forum. Nun, eine Frage zu einem derartig schwergewichtigen Thema ist naturgemäß nicht leicht zu beantworten…
Schauen wir doch einfach mal ins Grundgesetz:
Hier findet sich nicht der klitzekleinste Paragraph, der das Recht auf die freie Gestaltung des privaten Körpergewichts in irgendeiner Weise einschränkt.
Was die Väter des Grundgesetzes damals nicht berücksichtigen konnten, ist die heuschreckenartige Vermehrung von industriellen Lebensmittelketten.
Daß unabhängig davon der unkontrollierte Verzehr von Süßigkeiten, Kuchen kombiniert mit Bewegungsmangel langfristig zu einem persönlichen Übergewicht führen kann, wird in unserer Informationsgesellschaft ebenfalls stillschweigend hingenommen.
Oder haben Sie schon einmal an der Kasse erlebt, daß die Kassiererin den Abrechnungsvorgang spontan abgebrochen hat, nur um Sie in einem vertraulichen Kundengespräch über die Risiken beim Verzehr von Marzipankugeln zu beraten ?
Sicher nicht.
Denn in den meisten Fällen handelt es sich beim Kassenpersonal nicht um unabhängige freiberufliche Kassierer/innen oder gar staatlich geprüfte Kassenscanner-Beamte, sondern um gedungene Angestellte, die im Auftrag einer privatwirtschaftlich organisierten Lebensmittelkette arbeiten und durch langfristig Arbeitsverträge und Geheimhaltungsabkommen zum Stillschweigen verpflichtet werden.
Deswegen wird Ihnen nach dem Scannen des letzten Artikels auch stets nur die Gesamtsumme mitgeteilt.
Gibt es überhaupt noch Hoffnung?
Ja. Ich habe auch schon einen Lösungsvorschlag erarbeitet, der staatliche und privatwirtschaftliche Interessen gleichermaßen berücksichtigt.
Ab Mitte 2008 wird bundesweit „der fette Punkt“ eingeführt. Alle Lebensmittelhersteller müssen dann ihre „Kalorienbomben“ mit einer blinkenden Warn-LED ausstatten;
Verpackung, LED und Batterie müssen anschließend innerhalb von 3 Wochen nach der automatischen Registrierung (mittels Kassenscanner) beim örtlichen Wertstoffhof persönlich abgegeben werden. Das Überschreitung dieser Frist führt zu einer kostenpflichtigen Verwarnung, im Wiederholungsfall zum Entzug des Führerscheins auf 3 Monate.
Ausnahmen:
- Inhaber eines Behindertenausweises
- Oppositionsführer im Hungerstreik
- magersüchtige Topmodels
- Marilyn Manson
Weiter:
Der Wertstoffhof liegt außerhalb der Stadt und ist nur zu Fuß zu erreichen:
Das bedeutet:
Die Leute konsumieren zwar dickmachende Speisen, trainieren sich aber das Körperfett bei dem Entsorgungs-Marathon sofort wieder ab. Wer das nicht packt, wird zur Zwangsteilnahme am VHS-Kurs „Nordic Walking mit Mikadostäbchen“ verpflichtet. Er/Sie wird dadurch nicht nur fitter, sondern leistet auch einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz.
Hintergund-Info: Der ehemalige Außenminister Joschka Fischer hatte bereits 1996 bis 1998 dieses innovative Konzept im Auftrag seiner Partei in einem mutigen Selbstversuch getestet und dabei fast 40 kg abgenommen. Aufgrund der damals noch extrem hohen Preise für LEDs wurde dieses Umweltprojekt allerdings gestoppt und Fischer dazu verpflichtet, seine Testkäufe als rein privates Marathontraining zu vertuschen.
Mehr dazu: Joschka Fischer – Opfer einer politischen Intrige?
Aber nicht nur Bürger und Krankenkassen profitieren, auch für die Lebensmittelbranche springt was raus:
Da es in den Läden zukünftig in den buntigsten Farben blinkt und flackert, können die Inhaber ihre Verkaufsräume nach Ladenschluß aufwandsneutral in ein Tanzlokal umfunktionieren. Haben Sie jemals in Ihrem Leben nur eine einzige Sekunde darüber nachgedacht, warum die Zeichenkette „Disco“ zu 100% (!!!) im Wort „Discounter“ enthalten ist?
Also – einfach die Regalwände etwas zur Seite treten, die lokalübliche Berieselungssmusik auf volle Lautstärke drehen – und ab geht die Post! Ekstatisch zuckende Leiber, deren Stoffwechsel in einer halben Stunde locker bis zu 500 Kalorien verbrennt und anschließend bei niedrigem Blutzuckerspiegel die Energiedepots in den Fettpölsterchen wegschmilzt. Kann Abnehmen noch einfacher sein?
Sie werden es nicht glauben, aber dieser gewichtsreduzierende Effekt kann tatsächlich noch getoppt werden!
Neben Lautsprecheranlagen, viel Platz und gigantischen Getränkevorräten verfügen Lebensmittelgeschäfte über noch etwas, mit dem Übergewichtige schnell zu einem Erfolgserlebnis kommen.
Tiefkühltruhen!
Die vom Tanzen erhitzen Gäste legen sich nach ihrer anstrengenden Rap-Einlage zur Erfrischung einfach in eine der Tiefkühltruhen. Aber nicht etwa, um dabei heimlich eins dieser kalorienreduzierten Sahnetörtchen zu lutschen.
Nein, sie bleiben einfach ganz relaxed liegen, bis der Körper auf natürliche Weise die sinkende Körpertemperatur durch heftiges Muskelzittern ausgleicht. Auch hier wird die nötige Wärmeenergie durch das Verbrennen körpereigener Fettdepots geliefert.
Zum Schluß noch eine ernste Warnung:
Übertreiben Sie es bitte nicht!
Die meisten Unglücksfälle in einer/einem Lebensmitteldisco/unter werden durch fahrlässiges Überschreiten der maximal zulässigen Aufenthaltsdauer in Tiefkühltruhen verursacht. Kritische Symptome – u.a. eine unnatürlich blasse Gesichtsfarbe – werden häufig als mißglücktes MakeUp-Experiment fehlinterpretiert, so daß die Einleitung von Erste-Hilfe-Maßnahmen viel zu spät erfolgt.
Wenn überhaupt.
In der jüngsten Vergangenheit wurden derartige Unglücksfälle von einigen skrupellosen Filialleitern vertuscht, um ermittlungstechnisch bedingte Ladenschließungen zu umgehen.
Falls eines Tages über einen neuen Fleischskandal oder über den sensationellen Zufallsfund der Schwester von Ötzi in der Tiefgarage eines Einkaufscenters berichtet wird…Jetzt kennen Sie die wahren Zusammenhänge.
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